Geht es um Digitalität und Bildung, hat die Ausbildung von Informatik-Lehrkräften eine Schlüsselfunktion. Denn diese ist eine wichtige Voraussetzung für zeitgemäße informatische Grundbildung an den Schulen.

Derzeit zeichnen sich im Lehramt Informatik an den Universitäten sehr kleine Studierendenzahlen ab. Das Erlernen und Einüben gezielter Interaktions- und Kommunikationsfähigkeiten werden dadurch erschwert. Um diesem Problem entgegenzuwirken haben sich die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Universität zu Köln und die Universität des Saarlandes als Verbundprojekt GeLb-DIng zusammengeschlossen.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von

GeLb-DIng ist eines von 139 Projekten, die von der Stiftung für Innovation und Hochschullehre gefördert werden. Die Förderung erfolgt im Rahmen der Ausschreibung Hochschullehre durch Digitalisierung stärken im Zeitraum von August 2021 bis Juli 2024.

Die Lebenswelt des 21. Jahrhunderts ist unumstritten durch Technologien und Digitalität geprägt. Diese bieten ein unglaubliches Potenzial an diversen Gestaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten. Bereits den jüngsten Gesellschaftsmitgliedern stehen unzählige digitale Werkzeuge zur Verfügung. Folglich scheint das Einbeziehen informatischer Bildung in das Allgemeinbildungskonzept unabdingbar.

Auch der Wissenschaftsrat fordert in Perspektiven der Informatik den systematischen Aufbau der Informatik-Didaktik an allen lehramtsausbildenden Universitäten mit Informatik-Fachbereichen. Zeitgleich haben einige Bundesländer das Schulfach Informatik bereits verpflichtend in den Stundenplan eingeführt. Allerdings sind ausgebildete bzw. zertifizierte Informatik-Lehrpersonen absolut defizitär.      

Hier knüpft das Vorhaben des Projekts GeLb-DIng an. Digitalisierung wird an den Verbunduniversitäten schon lange in der Dualität Werkzeug – Inhalt behandelt. An der JGU Mainz und der Universität des Saarlandes werden bereits Lehrkräfte für das Fach Informatik ausgebildet. An der Universität zu Köln wird dieses noch perspektivisch eingerichtet. Die überregionale Bündelung von Expertisen und Know-How soll zu einem beschleunigten Fortschritt der Informatikausbildung beitragen.

Aufgrund einheitlicher KMK-Vorgaben hinsichtlich zu erwerbender fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Kompetenzen sind die Studiengänge formal vergleichbar. Dadurch können Best-Practice-Ansätze für eine gemeinsame Fachdidaktik Informatik erarbeitet und erprobt werden. Ziel ist es, diese an den jeweiligen Hochschul-Standorten strukturell zu verankern.

JGU MainzUniversität des SaarlandesUniversität zu Köln
Lehramtsangebot UniversitätSekundarstufe (I +II) &
Berufliche Schulen
Primar-/Sekundarstufe (I & I+II) & Berufliche SchulenAlle & Sonderpädagogische Förderung
Lehramtsabschluss InformatikBachelor Ed. & Master Ed.StaatsexamenIm Ausbau
Fächerkombination Informatikfrei wählbarfrei wählbarInformatische Bildung in Mathematik-Lehramt integriert
Informatik an SchulenWahl(pflicht)fach ab Klasse 7Pflichtfach ab Klasse 7Pflichtfach ab Klasse 5
Tabelle: Übersicht über die standortspezifischen Aspekte im Lehramt (eigene Darstellung) | Stand: September 2022

Ziel des Vorhabens ist es, mit Unterstützung digitaler Werkzeuge Teile der fachdidaktischen Lehramtsausbildung bundeslandübergreifend durchzuführen. Diese soll den kleinen Kohorten im Lehramt Informatik eine interaktive und kommunikative Zusammenarbeit ermöglichen.

Dieser Ansatz wird zunächst exemplarisch für die Informatik erprobt und evaluiert. Für diese gemeinsamen Veranstaltungen kommen unterschiedliche Formate und Lehr-/Lernansätze zum Einsatz. Nach der Durchführung und Evaluation werden die gemeinsamen Lehrangebote strukturell an den Standorten verankert. Die Vorgehensweise wird dokumentiert, so dass die Projektdurchführung als Blaupause für weitere kleine Lehramtsfächer dient. Auf diese Weise kann mittelfristig auch ein Angebot gemacht werden für Standorte, die momentan das Lehramt Informatik nicht anbieten oder ihr Angebot erweitern möchten.

Eine nachhaltige und flächendeckende Stärkung der Informatik-Lehramtsausbildung wie auch ein Zuwachs an Studieninteressierten stehen somit im unmittelbaren Fokus.

Die kleinen Kohorten in den Lehramtsstudiengängen der Informatik an den jeweiligen Universitäten führen automatisch zu lehrendenzentrierten Veranstaltungen. Besonders in der Fachdidaktik ist aber die Diskussion, gegenseitige Reflexion und gemeinsame kreative Weiterentwicklung von großer Bedeutung.

Es kommt hinzu, dass in einem jungen Schulfach wie Informatik die curriculare Entwicklung noch in einem Stadium ist, das von den Studienabsolvierenden viel eigene (Mit-)Gestaltung fordert. Die Lehre sollte daher möglichst forschungsorientiert den Fragen der Unterrichtsentwicklung nachgehen. Die Erfahrung zeigt, dass für solche Formate Teilnehmendenzahlen zwischen 20 und 40 optimal wären, während bei kleinen Kohorten die nötige Heterogenität und Vielfalt nicht gegeben ist.

Erste exemplarische Veranstaltungen einer gemeinsamen hochschulübergreifenden Informatik-Fachdidaktik wurden neu ausgerichtet. Inwiefern und durch welche digitalen Möglichkeiten die kleinen Kohorten in den letzten Semestern zusammenarbeiteten, wird im Nachfolgenden ersichtlich:

An der Universität des Saarlandes (UdS) besteht seit März 2020 das Projekt MoDiSaar, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Informatik, Bildungstechnologie, Philosophie, Bildungswissenschaften und Fachdidaktiken gemeinsam einen Lehr-Lern-Baukasten zum Aufbau digitalisierungsbezogener Kompetenzen für alle Lehramtsstudiengänge entwickeln und evaluieren. Studierende der JGU und der UdS haben im Rahmen von MoDiSaar an der Verbundveranstaltung teilgenommen. Innerhalb dieser wurden verschiedene Methoden der Zusammenarbeit erprobt.

Als besonders erfolgreich haben sich Tandems aus Studierenden in unterschiedlichen Phasen ihres Studienabschnitts herausgestellt. Studierende im Anfangsstadium ihrer Fachdidaktik-Ausbildung konnten gleich zu Beginn praxisorientierte Erfahrungen sammeln und die Fachdidaktik aus der Perspektive von Schülerinnen und Schülern einnehmen. Studierende gegen Ende ihrer Fachdidaktik-Ausbildung konnten ihre bestehenden Kompetenzen erweitern, aber auch neue hinzugewinnen. So wurde von ihnen unter anderem die Durchführung von Assessments gefordert. Diesen Perspektivwechsel vom Lernen zum Lehren erfahren Studierende bisher nur in außeruniversitären Schulpraktika.

Erste Ergebnisse der Verbund-Veranstaltung können Sie hier einsehen:

Im Sommersemester haben die Studierenden der Verbundhochschulen Strukturen für Mikromodule entwickelt. Gemeinsam haben sie die Inhalte gestaltet und voneinander abgegrenzt. Auch wurden die diversen Anforderungen der jeweiligen Schulformen berücksichtigt. In einem Verbund-Workshop an der JGU Mainz wurden die Mikromodule im Plenum vorgestellt, woraufhin die Präsentierenden Feedback erhielten und im Anschluss kollektiv Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet wurden. Die Mikromodule werden Teil der Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen an den jeweiligen Verbundstandorten.

Da an der Universität zu Köln noch kein Lehramtsstudium im Fach Informatik eingerichtet ist, haben die Studierenden bisher nur mäßig Kontakt zu Informatischer Bildung. Im Zuge des Projektverständnisses ist dies von bedeutender Relevanz. Denn gerade im Lehramt für die Primarstufe sowie Sonderpädagogische Förderung werden Schülerinnen und Schüler ganz neu an das Thema Informatik herangeführt. Dabei können unterschiedliche neue Ansätze und Methoden der Unterrichtsgestaltung konzipiert wie auch erprobt werden.

Im Wintersemester 2022/23 wurde die erste gemeinsame Verbundvorlesung Fachdidaktik I in einem hybriden Setting gehalten, so dass allen Studierenden der Verbund-Universitäten eine Teilhabe ermöglicht werden konnte.
Lerninhalte für das Selbststudium wurden in sogenannte Mikromodule unterteilt. Zur Förderung aktiver Teilnahme wurden diese gamifiziert. Dadurch wurde individueller Lernerfolg mittels Experience Points, Badges und Levels veranschaulicht.

Erste Evaluationsergebnisse zeigen, dass die Gamifizierung und der Einsatz von Mikromodulen einen positiven Effekt auf die Lernmotivation der Studierenden hat.

Im Sommersemester 2023 wurden erstmalig Portfolios als Studienleistung angefertigt. Die Studierenden konnten dabei die Umsetzung ihrer Portfolios individuell gestalten. Den Inhalt gründen dabei die Ergebnisse der Mikromodul-Aufgaben, für die Schulpraxis relevante Ansätze und sonstige, als wichtig erachtete Seminarthemen. Des Weiteren diente das Portfolio den Studierenden zur Vorbereitung auf die abschließenden Prüfungsleistungen.

Weitere Informationen folgen in Kürze.

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  • Ein wichtiger Projektaspekt ist die Berechtigung zur Prüfung kollaborativer Lehrformate mit externen Studierenden und Dozierenden. Hierfür hat sich eine Arbeitsgruppe innerhalb des Projekts GeLb-DIng gegründet, die eine standortübergreifende Prüfungsberechtigung sowie die Rahmenbedingungen einer gelingenden Kooperation im Verbund eruiert. Ziel ist es, eine universale Vorlage für weitere Kooperationen, Standorte und Fächergruppen zu generieren.
  • Auch ist es ein Anliegen, den kollegialen Austausch stetig zu wahren und zu fördern. Neben regelmäßigen Jour Fixe, treffen sich die Mitarbeitenden der Verbundhochschulen in regelmäßigem Turnus in Präsenz, um den inhaltlichen Austausch und die gemeinsame Gestaltung und Umsetzung kooperativer studentischer Zusammenarbeit zu sichern. So entstehen kontinuierlich neue Synergien und die entsprechenden Expertisen der Verbund-Mitarbeitenden werden adäquat ausgeschöpft.

Das Projekt wird im Hinblick auf die Wirksamkeit und das Erreichen der angestrebten Ziele, aber auch bezüglich nicht intendierter Effekte analysiert. Die dabei gewonnenen Ergebnisse sollen Evidenzen für den angestrebten Transfer auf weitere Standorte mit Informatik-Lehramtsausbildung und auch anderen (kleinen) Fächern zur Verfügung stellen. Ausgangspunkt sind hierbei unterschiedliche Aspekte, die sich auf Strukturen, Prozesse und Ergebnisse des Vorhabens beziehen.

Zum Einsatz kommen in erster Linie Verfahren der qualitativen empirischen Sozialforschung. Hierzu werden leitfadengestützte Interviews eingesetzt, die sowohl mit Studierenden als auch mit den am Projekt beteiligten Akteuren/-innen durchgeführt werden. Für die kontinuierliche Qualitätssicherung werden die Ergebnisse dokumentiert und zum Projektende präsentiert.

Durch die Einführung des Pflichtfaches Informatik in den Schulen und der damit verbundenen Nachfrage an Studium-Absolvierenden mit dem Lehramtsfach Informatik müssen auch die Universitäten ihr Angebot anpassen.

Doch an welchen Universitäten wird das Lehramtsfach Informatik überhaupt angeboten?
Gibt es eine Professur der Fachdidaktik Informatik und wird aktiv Forschung betrieben?
Oder wird die Didaktik durch bspw. die Mathematik Didaktik ersetzt?

Diese und weitere Fragen sind im Projekt aufgekommen. Daher scheint es unabdingbar ein Monitoring bezogen auf die Fachdidaktik Informatik durchzuführen.
Konkrete Ergebnisse folgen in Kürze!