Umsetzung

Die kleinen Kohorten in den Lehramtsstudiengängen der Informatik an den jeweiligen Universitäten führen automatisch zu lehrendenzentrierten Veranstaltungen. Besonders in der Fachdidaktik ist aber die Diskussion, gegenseitige Reflexion und gemeinsame kreative Weiterentwicklung von großer Bedeutung.

Es kommt hinzu, dass in einem jungen Schulfach wie Informatik die curriculare Entwicklung noch in einem Stadium ist, das von den Studienabsolvierenden viel eigene (Mit-)Gestaltung fordert. Die Lehre sollte daher möglichst forschungsorientiert den Fragen der Unterrichtsentwicklung nachgehen. Die Erfahrung zeigt, dass für solche Formate Teilnehmendenzahlen zwischen 20 und 40 optimal wären, während bei kleinen Kohorten die nötige Heterogenität und Vielfalt nicht gegeben ist.

Erste exemplarische Veranstaltungen einer gemeinsamen hochschulübergreifenden Informatik-Fachdidaktik wurden neu ausgerichtet. Inwiefern und durch welche digitalen Möglichkeiten die kleinen Kohorten in den letzten Semestern zusammenarbeiteten, wird im Nachfolgenden ersichtlich:

 

An der Universität des Saarlandes (UdS) besteht seit März 2020 das Projekt MoDiSaar, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Informatik, Bildungstechnologie, Philosophie, Bildungswissenschaften und Fachdidaktiken gemeinsam einen Lehr-Lern-Baukasten zum Aufbau digitalisierungsbezogener Kompetenzen für alle Lehramtsstudiengänge entwickeln und evaluieren. Studierende der JGU und der UdS haben im Rahmen von MoDiSaar an der Verbundveranstaltung teilgenommen. Innerhalb dieser wurden verschiedene Methoden der Zusammenarbeit erprobt.

Als besonders erfolgreich haben sich Tandems aus Studierenden in unterschiedlichen Phasen ihres Studienabschnitts herausgestellt. Studierende im Anfangsstadium ihrer Fachdidaktik-Ausbildung konnten gleich zu Beginn praxisorientierte Erfahrungen sammeln und die Fachdidaktik aus der Perspektive von Schülerinnen und Schülern einnehmen. Studierende gegen Ende ihrer Fachdidaktik-Ausbildung konnten ihre bestehenden Kompetenzen erweitern, aber auch neue hinzugewinnen. So wurde von ihnen unter anderem die Durchführung von Assessments gefordert. Diesen Perspektivwechsel vom Lernen zum Lehren erfahren Studierende bisher nur in außeruniversitären Schulpraktika.

Erste Ergebnisse der Verbund-Veranstaltung können Sie hier einsehen:

Im Sommersemester haben die Studierenden der Verbundhochschulen Strukturen für Mikromodule entwickelt. Gemeinsam haben sie die Inhalte gestaltet und voneinander abgegrenzt. Auch wurden die diversen Anforderungen der jeweiligen Schulformen berücksichtigt. In einem Verbund-Workshop an der JGU Mainz wurden die Mikromodule im Plenum vorgestellt, woraufhin die Präsentierenden Feedback erhielten und im Anschluss kollektiv Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet wurden. Die Mikromodule werden Teil der Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen an den jeweiligen Verbundstandorten.

Da an der Universität zu Köln noch kein Lehramtsstudium im Fach Informatik eingerichtet ist, haben die Studierenden bisher nur mäßig Kontakt zu Informatischer Bildung. Im Zuge des Projektverständnisses ist dies von bedeutender Relevanz. Denn gerade im Lehramt für die Primarstufe sowie Sonderpädagogische Förderung werden Schülerinnen und Schüler ganz neu an das Thema Informatik herangeführt. Dabei können unterschiedliche neue Ansätze und Methoden der Unterrichtsgestaltung konzipiert wie auch erprobt werden.

Im Wintersemester 2022/23 wird die erste gemeinsame Verbundvorlesung Fachdidaktik I in einem hybriden Setting gehalten, so dass allen Studierenden der Verbund-Universitäten eine Teilhabe ermöglicht wird.
Die Studierenden können erstmals Erfahrungspunkte für die Absolvierung der diversen Mikromodule erhalten und über ein Punktesystem individuelle Aufstiege verzeichnen.


Weitere Informationen folgen in Kürze.

  • Ein wichtiger Projektaspekt ist die Berechtigung zur Prüfung kollaborativer Lehrformate mit externen Studierenden und Dozierenden. Hierfür hat sich eine Arbeitsgruppe innerhalb des Projekts GeLb-DIng gegründet, die eine standortübergreifende Prüfungsberechtigung sowie die Rahmenbedingungen einer gelingenden Kooperation im Verbund eruiert. Ziel ist es, eine universale Vorlage für weitere Kooperationen, Standorte und Fächergruppen zu generieren.

 

  • Auch ist es ein Anliegen, den kollegialen Austausch stetig zu wahren und zu fördern. Neben regelmäßigen Jour Fixe, treffen sich die Mitarbeitenden der Verbundhochschulen in regelmäßigem Turnus in Präsenz, um den inhaltlichen Austausch und die gemeinsame Gestaltung und Umsetzung kooperativer studentischer Zusammenarbeit zu sichern. So entstehen kontinuierlich neue Synergien und die entsprechenden Expertisen der Verbund-Mitarbeitenden werden adäquat ausgeschöpft.